Star Wars Episode VII – Erfolg vom Reißbrett

Folgt man der Meinung der Schreibdilettanten, ist es für Schriftsteller, MGAs und Wortringer immer eine gute Idee, ein Auge auf Star Wars zu haben. Zeigt doch Krieg der Sterne wie kein anderer Film das Prinzip der Heldenreise (Kurzfassung: Ein Niemand wächst, trotz anscheinenden Versagens über sich hinaus und beseitigt die ultimative Bedrohung), wie Axel und Marcus nicht müde werden, zu betonen. Nicht, dass es den zusätzlichen Anreiz bräuchte, mich für den neuen Star-Wars-Film zu interessieren, aber es bietet mir einen guten Einstieg für diesen Beitrag – und eine gute Gelegenheit mal auf die Verdienste der beiden für die oben angesprochene Zunft hinzuweisen. Der Besuch ihrer Seiten lohnt in jedem Falle, lehreich und witzig halten sie Tipps und Tricks aus dem Autorenalltag bereit – in Schrift, Ton und Bild.

Aber zurück zu den Sternen.

Heldenreise und überraschende Wendungen im Weltraum machen den Erfolg der ersten drei Teile des Krieg der Sterne, mittlerweile ja Star Wars Episode IV – VI genannt, aus und haben Klein-Krimzon seinerzeit mit roten Backen und großen Augen in den Kinositz gebannt. Das Beste, was die Tricktechnik damals zu bieten hatte, formte in beeindruckenden Bildern eine Geschichte, dazu angetan, mit zu fiebern, zu hoffen, leiden und jubeln – und das in jeder einzelnen Episode.

Jahrzehnte später fand sich, nicht mehr Klein-Krimzon, sondern Nur-Krimzon erneut im Kinositz und sah sich den Episoden I-III gegenüber. Wieder mit großen Augen und offenem Mund, diesmal allerdings mehr aus Entsetzen, denn vor gespannter Aufmerksamkeit. Geschichtenmäßig gab es wenig, was die Filmzeit rechtfertigte, aber die Bilder waren schön und die Technik auf der Höhe der Zeit. Meinen Frieden mit den ungeliebten Episoden I-III machte ich mit dem Gedanken, dass sie Teil einer Serie sind und der Überraschung, nachdem endlich der Abspann von Die Rache der Sith über die Leinwand flimmerte: Von I-VI betrachtet ändert sich der Schwerpunkt der ganzen Geschichte. Die Star Wars Filme sind nicht mehr die Erfolgsgeschichte der Befreiung einer weit, weit entfernten Galaxie vom bösen Imperium, nicht mehr der Triumph der Rebellen, geschuldet dem kleinen Farmer, der zum Helden wird, und seinen Gefährten.
Star Wars ist nun die Geschichte vom Aufstieg, Fall, noch tieferem Fall, Läuterung, Opfer und Triumph des Retters des Universums, in dem die Macht einzigartig stark ist, nämlich: Darth Vader.
Auch nicht schlecht, wenngleich mit reichlich Filmmetern erzählt.

Wie könnte nun die Geschichte fortgesetzt werden?

Diese Frage wollte der Disney Konzern beantworten, kaufte die Rechte an Star Wars und kündigte Episode VII, Das Erwachen der Macht, an.

So saß, nein, nicht Alt-Krimzon, sondern weiterhin Nur-Krimzon unlängst wieder im Kinosessel, ausgerüstet mit Spezialbrille für´s volle IMAX Erlebnisvergnügen. Gigantische Wracks abgeschossener Sternenzerstörer sorgten für ehrfurchtsvolle Schauer, tieffliegende Rebellenjäger für wohlige. Jubel für den rasenden Falken, der tapfer und erstaunlich klaglos nach mutmaßlich jahrelanger Pause, sich in die Höhe schwang, ein wissendes Augenzwinkern durch die Gleitsichtbrille, wenn die alten Helden ihren Auftritt haben. Mit großen Augen, aber geschlossenem Mund (ich habe aufgepasst, das sieht einfach nicht gut aus) folgte ich 136 Minuten der Handlung in beeindruckenden Bildern auf technisch höchstem Niveau.
Ausgezeichnete 136 Minuten wären es gewesen, hätte ich auch noch eine Geschichte bekommen.

Disney hat sich für Episode VII scheinbar entschieden, das Schicksal der weit, weit entfernten Galaxie nicht weiterzuerzählen, sondern noch einmal. Mit jüngeren Schauspielern selbstverständlich, zugeschnitten auf ein Publikum, das sich noch viele Jahre am Merchandising erfreuen soll.
Das Erwachen der Macht bietet über zwei Stunden lang, nennen wir es freundlich Reminiszenzen, an Höhepunkte der ersten, originalen Teile. Die alten Protagonisten bekommen junge Nachfolger, welche dann in Stellung gebracht werden. Die große Bedrohung des Films unterscheidet sich nicht wesentlich von denen vergangener Jahre, der Lösungsansatz für das Problem ist folgerichtig auch wenig überraschend. Antagonisten werden diesmal gleich zwei präsentiert, wobei der eine, pubertär gebeutelt, zur Zeit Schuhe trägt, die ihm viel zu groß sind – im übertragenen Sinn. Das Design der Uniform ist aber tatsächlich mehr bemitleidenswert, denn furchteinflößend. Seine Herkunft und sein Werdegang sind uns in groben Zügen bekannt, es wurde uns nämlich erzählt, da sich zwei Personen im Film über ihn unterhalten -nicht gezeigt.
Überraschend ist das Ableben eines alten Haudegens (und ein bisschen dramaturgische Effekthascherei in meinen Augen), auch wenn im Laufe des Films diese Wendung zart angedeutet wird.

Episode VII ist ein unterhaltsamer Film, der vieles richtig macht, durchaus sehenswert und die Zeit vergeht im Flug. Er holt die alten Fans ab und geht auf neues Publikum zu. Ein programmierter Erfolg, doch es bleibt ein schaler Nachgeschmack, denn die Geschichte beginnt wohl erst im nächsten Teil.
Als Zuschauer bin ich verstimmt, wie bei der Aufteilung des Finales einer Serie auf zwei Filme. Die überraschende Wendung hierbei ist: Die Verstimmung erfolgt am Anfang der Trilogie und nicht am Ende.

 

Der Autor dieser Zeilen mag die Star Wars Filme. Er hat keine ausgefeilte Kenntnis der Star Wars Lore, kennt die Romane nicht, hat keine Comics zum Thema gelesen und die animierten Filme nicht gesehen. Er mag eine gute Geschichte, sowohl im Buch als auch im Film und er weiß, dass Verfasser von Büchern und Filmen damit auch gerne Geld verdienen wollen.
Krimzon wird auch bei Episode VIII wieder im Kino sitzen, gespannt, mit großen Augen und hoffentlich mit  geschlossenem Mund.

Werbung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s